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Ab 1100

Der Raum zwischen Saale und Pleiße wurde von bäuerlichem Landesausbau (Rodungen und Ortsgründungen, Zuwanderung aus Gebieten westlich der Saale, verstärkt durch Siedleraufruf 1108) und beschleunigter Christianisierung erfasst, die Hauptphase der Siedlungsbewegung setzte um 1140 ein. Bis etwa 1200 war die Elbe erreicht. (Groß, Reiner: Geschichte Sachsens. Leipzig, 2004. S. 18) "Neben den deutschen Kolonisten war auch die alteingesessene sorbische Bevölkerung am Landesausbau beteiligt. Nur in wenigen Fällen kam es zur Verdrängung oder Abwanderung der sorbischen Bauern. (...) Deutsche und sorbische Bauern wurden gleichermaßen in die feudalen Herrschaftsstrukturen integriert, sodass sich seit dem 12. Jahrhundert eine zunehmend einheitliche bäuerliche Bevölkerung ausbildete. Siedlung, Herrschaftsbildung und Christianisierung mit Kloster- und Kirchengründungen gingen dabei Hand in Hand." (S. 20)

1185

Die Weißenfelser Ortsgeschichte zählt nach Jahrhunderten: Otto der Reiche, seines Zeichens Markgraf von Meißen, gründete um 1185 die Stadt Weißenfels, wo wichtige Handelsstraßen die Saale überquerten. Der Name für den neuen Platz ward schnell gefunden - man siedelte unter "weißen Felsen". Geologen sprechen allerdings von Buntsandstein...

1249

Im "Weißenfelser Vertrag" erkannten mehrere thüringische Adlige den Markgrafen von Meißen als Landgrafen von Thüringen an. Damit wurde die Wettiner-Herrschaft auch in Thüringen begründet. Wichtige Zäsur in der mitteldeutschen Regionalgeschichte. (Vgl.: Ingo Bach: Wettiner-Herrschaft begründet. In: Mitteldeutsche Zeitung. Weißenfels. 2. 7. 1999. S. 10)

13. Jahrhundert

Markgraf Dietrich und sein Sohn Friedrich verlegten im 13. Jahrhundert den Schwerpunkt ihrer Herrschaftsausübung von Landsberg "bald nach Weißenfels, ins Zentrum aller wettinischen Landesteile. Burg und Stadt Weißenfels waren in der Landsberger Markgrafschaft vorrangige Orte, ja éZentrum' des Fürstentums, so weit das für diese residenzlose Zeit gesagt werden kann." (Die sächsischen Wurzeln des Landes Sachsen-Anhalt ... Halle, 1996. S. 14) "Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Wahl als Hauptsitz der Markgrafen von Landsberg im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts war die zentrale geografische Lage der Stadt. Weißenfels lag nicht nur im Zentrum großer Eigengüter der Wettiner, sondern hatte seit dem Erbanfall von Thüringen 1247 eine zentrale Lage innerhalb der gesamten, von Eisenach im Westen bis Dresden im Osten reichenden wettinischen Besitzungen. Die zeigt sich auch darin, dass Weißenfels oft Verhandlungsort für die Wettiner und Verhandlungspartner ganz unterschiedlicher Herkunft war, deren Interessensphären sich oft gerade hier mit dem wettinischen Einflussbereich überschnitten." (Das Weißenfelser St.-Klaren-Kloster ... Weißenfels, 2001. S. 6)

Um 1300

Man unterschied bereits eine "alte" und eine "neue" Stadt, allerdings anders als heutzutage. Die damalige Altstadt lag in der unteren Langendorfer Straße, die Neustadt um den heutigen Markt. (Vgl.: Friedrich Gerhardt: Geschichte der Stadt Weißenfels a. S. Weißenfels: Schirdewahn. 1907. S. 42, 74, 139)

13. / 14. Jahrhundert

"Weißenfels war im 13. und 14. Jh. (vor dem Herrschaftsantritt und nach dem Aussterben der Markgrafen von Landsberg) auch eine der wichtigen und zeitweilig gar wichtigsten Aufenthaltsorte der Markgrafen von Meißen (...). Außerdem kamen Stadt und Burg Weißenfels zwischen den Bistumssitzen Naumburg und Merseburg eine Sonderrolle bei der Besitzstandssicherung im mittleren Saalegebiet zu." (Das Weißenfelser St.-Klaren-Kloster ... Weißenfels, 2001. S. 7)

1429

Die Hussiten fielen ein und zündeten die Stadt ein (Gerhardt, a. a. O. S. 83).

1481

"Herzog Wilhelm 1481 machte Anstalten, dass nunmehr und folgends die Stadtmauer vom Kloster und Niklasthore mittelst einer hohen Mauer und tiefen Graben den Georgenberg der Stadt einverleibet und das Zeizische 1481 erbaute Thor dem Schlosse gleich befindlich, von da bis ans Schloss die Stadtmauer sich erstreckt. Auf der Ostseite gehet die Stadtmauer und das 1484 erbaute Klingenthor am Ausfluss der Klinge herunter, dass man vom Klingenthor bis an das Saalthor einen breiten und tiefen Wassergraben zur Befestigung der Stadt ausgeführet und voll Wasser gelassen hat. Sieben Jahre später 1488 ist die Stadtmauer vom Klingenthore bis hinter der Baderei gebauet." (Zitiert nach: Gerhardt, a. a. O. S. 94)

1485

Bei der "Leipziger Teilung" der wettinischen Besitztümer in albertinische und ernestinische Gebiete fallen die Territorien um Leipzig, von Weißenfels bis Langensalza sowie um Sangerhausen an die Albertiner. Lützen gehörte seinerzeit zum Bistum Magdeburg und Zeitz zum Bistum Naumburg. (Groß, Reiner: Geschichte Sachsens. Leipzig, 2002. S. 39f.)

1502

Weißenfels bildet laut albertinisch-sächsischer Hofordnung einen von vier thüringischen Kreisen, neben Salza, Sangerhausen und Leipzig. Diese sind territorial von den fünf Meißner Kreisen getrennt. (Groß, Reiner: Geschichte Sachsens. Leipzig, 2002. S. 39f.) Dieses Verständnis von "vier thüringischen Kreisen" muss angezweifelt werden, denn das 1485 entstandene Herzogtum und spätere albertinische Kurfürstentum Sachsen bestand "aus den meißnischen Ämtern (...) Delitzsch (...), Leipzig (...), Pegau (...), Sachsenburg (?) (...) sowie aus den thüringischen Ämtern Langensalza, Weißensee, Eckartsberga und Weißenfels". (Groß, Reiner: Geschichte Sachsens. Leipzig, 2004. S. 32)

1546

Die Weißenfelser Burg wurde für wenige Jahre Residenz von Herzog August, dem späteren sächsischen Kurfürsten. August zog 1553 nach Dresden um.

1656-1746

Das Herzogtum Sachsen-Weißenfels entstand 1656 durch Erbteilung. Ein sächsischer Kurfürst war gestorben, er hinterließ vier Söhne. Und ein Testament in einem mit zwölf Siegeln versehenen Kästchen, wie der Chronist vermerkt. Jeder Sohn bekam einen goldenen Becher vermacht - und Land dazu. Einer erbte das große Kursachsen, für die anderen blieben nur "Ländchen" übrig: Sachsen-Merseburg, -Zeitz und eben -Weißenfels. Die Brüder hatten noch etwas Sorgen mit Mein und Dein, sodass Weißenfels noch ein Jahr warten musste, um dem neuen Landesherrn zu huldigen.

Der Herzogshof übersiedelte gar erst 1680 in die Stadt. Man bezog das neue, aber zunächst nur halb fertige Schloss. Nun entfalten sich die Musen, überall wurde gebaut. Ein "Gymnasium illustre Augusteum" entstand, diese hohe Schule machte sogar der Leipziger Universität Konkurrenz. Weißenfels wurde zu einem Zentrum deutscher Kulturgeschichte.

Doch eines Tages, im Jahre 1746, musste der goldene Becher wieder zurück nach Dresden: Mit Herzog Johann Adolf II. starb zugleich die Weißenfelser Nebenlinie aus. Völlig natürlich - und nicht per Gift, wie im wiederaufgelegten Roman "Souverän" von A. v. d. Elbe dargestellt. Aber nichtsdestotrotz wird dieses Buch gern gelesen.

Herzogtum Sachsen-Weißenfels 1664

Ämter Zahl der Ortschaften
Weißenfels Ca. 200
Freyburg 63
Eckardtsberga 17
Langensalza 17
Sangerhausen 10
Weißensee 10
Wendelstein 6
Sachsenburg 6
Heldrungen 6
Sittichenbach 4
Querfurt 10
Jüterbog 15
Dahme 12
Barby 4
Rosenburg 4
Insgesamt Ca. 384


(Die sächsischen Wurzeln des Landes Sachsen-Anhalt ... Halle, 1996. S. 52)

1664-1794

Herzog August stiftete 1664 die Landesschule "Gymnasium illustre Augusteum". "Das Augusteum war eine akademische Bildungsanstalt", die sich faktisch "nicht von einer Universität" unterschied. Rektor Weidling wurde 1717 auf kurfürstlichen Befehl verhaftet, weil das Augusteum wie eine Universität akademische Grade verlieh. Nach dem Aussterben des Herzogtums ging es schließlich 1794 gänzlich ein. (Klein, Otto: Gymnasium illustre Augusteum zu Weißenfels. Weißenfels, 2003. S. 16) Allerdings setzten ein kursächsisches und ab 1815 königlich-preußisches Seminar für Volksschullehrer wie auch in der DDR ein Institut für Lehrerbildung Weißenfelser Bildungstraditionen fort.

1775/76

Johann Georg Sulzer: "Weissenfels ist eine artige kleine Stadt, die aber, seitdem kein Hof mehr da ist, an ihrer Nahrung sehr verloren hat. Das Schloss ist ein großes und feines Gebäude, das aber jetzt zerfällt, weil auf die Unterhaltung desselben nicht das Geringste verwendet wird." (Beobachtungen und Anmerkungen auf einer... Reise. Bern und Winterthur, 1780)

1806

Nach 1806 und nach 1812 zogen Truppen über Truppen durch Weißenfels, hin und her, gegen und für das napoleonische Frankreich (je nach Bündnisverpflichtung der Kursachsen). Die Feldzüge mündeten schließlich in den Befreiungskrieg mit der Schlacht bei Großgörschen und der Leipziger Völkerschlacht 1813.

Auf dieser Seite werden einige wichtige und weniger wichtige Ereignisse aus der Weißenfelser Historie dargestellt sowie Meinungsäußerungen jeweiliger Zeitgenossen über Weißenfels zitiert. Es handelt sich dabei um eine punktuelle Auswahl. Eine alle historischen Perioden berücksichtigende und ausgewogene Darstellung der Stadtgeschichte kann auf einer Web-Site nicht geleistet werden und ist hier nicht beabsichtigt.

In einigen wörtlichen Zitaten aus vergangener Zeit wurden mit Absicht markante Eigentümlichkeiten der jeweiligen Rechtschreibung beibehalten, um authentisch zu bleiben und historisches Kolorit zu vermitteln. Anpassungen an heutigen Sprachgebrauch, die notwendig erschienen, sind durch Klammern kenntlich gemacht.


Hermunduren - Thüringer - Franken - altsächsische Ottonen und Slawen

"Im 2. - 1. Jh. vor Christus bilden die im Saale-Raum (...) ansässigen Germanen einen eigenen Stammesverband, die Hermunduren. (...) Aus den Hermunduren und Teilen benachbarter Stämme (...) bildete sich ab dem 3. Jahrhundert der germanische Volksstamm der (...) Thüringer (...)."

Ende der zwanziger Jahre des sechsten Jahrhunderts griffen die Franken das Thüringerreich an und besiegten es 531. "Zunächst kam der thüringische Raum unter lose fränkische Verwaltung, wurde jedoch seit dem 7. Jahrhundert verstärkt in den fränkischen Staatsverband integriert (...). Seit dem 8./9. Jahrhundert begannen nun auch Elbslawen in die freien Gebiete östlich von Saale und Elbe vorzudringen. Wann sie die Gegend um Weißenfels erreichten, lässt sich nicht genau bestimmen. Sicher sind nur gemeinsame Funde fränkischer, thüringischer und daneben auch slawischer Herkunft aus dieser Zeit auch im Raum Weißenfels. (...) Im Jahre 805 sollen die Franken für das heutige Gebiet um Weißenfels eine Grafschaft errichtet haben. (...)

Nach dem Aussterben der fränkischen Karolinger wird das gesamte Thüringen im Jahre 918/19 von König Heinrich I. unter (alt-) sächsische Oberhoheit gebracht. (...) Im Heerverzeichnis Heinrich I., des Vogelers, taucht zum ersten Mal gesichert der Name Weißenfels in Form eines Grafen Ernst von Weißenfels auf (...). Die Ottonen festigten ihre Grenzen und Eroberungen des 10. Jahrhunderts (...). Der Gürtel von Burgen an der Saale verdichtete sich, da die Slawen wiederholt (...) einfielen."

(Kahlert, Uwe: Weißenfels - eine Stadt im thüringischen Land? In: Weißenfelser Heimatbote. 1998/2. S. 40f.)


Vor der Stadtgründung

In grauer Vorzeit "wohnte in unserer Gegend ein slawisches Volk, die Sorben. (...) Die Sorben gründeten an der Saale viele kleine Ortschaften. Drei davon, Klenkowe, Horklitz und Tauchlitz, sollen an Stelle unserer Stadt gestanden haben. Jede Ortschaft war mit Gräben und Pfahlwerk umgeben. (...)" (Aus einer Stadtbeschreibung aus dem 19. Jahrhundert.)



Historische Stadtansicht

Weißenfels im 16. Jahrhundert. Nach einem Kupferstich von Merian


Gedenken an Professor Heydenreich in Burgwerben Gedenktafel für Neumeister in Uichteritz

Gedenken an Müllner im Stadtpark

Harnisch, berühmter Pädagoge

Louise von Francois 1887

Ein "Who is Who" aus der Weißenfelser Geschichte


Impressionen aus dem Weißenfelser Herzogtum

Burg Querfurt

Runneburg Weißensee

Bad Langensalza


Alte Chroniken

Büttner, Johann Christian: Büttnersche Chronik. Handschriftliche Chronik der Stadt Weißenfels und der angrenzenden Länder (ca. 1700). 2003 als CD-ROM von der Stadtverwaltung Weißenfels neu herausgegeben.

Sturm, C. A. G.: Chronik der Stadt Weißenfels nach Quellen / Beiträge zur Thüringisch-sächsischen Geschichte. Weißenfels: Verlag von G. F. Seuß, 1846.

Sturm, C. A. G.: Kleine Chronik der Stadt Weißenfels nach Quellen bearbeitet. Weißenfels: Verlag von G. Prangl, 1869.

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