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1815

Nach dem Wiener Kongress musste Sachsen als Verliererstaat 1815 große Gebiete an Preußen abgeben. Weißenfels kam zur neu gebildeten preußischen Provinz Sachsen und wurde Kreisstadt.

1844/46

Karl H. W. Münnich 1844/46: Weißenfels sei eine "etwas eng und winklig, aber freundlich gebaute(n) und reinlich gehaltene(n), einst gräfliche(n) und herzogliche(n) Residenz im Osterlande, jetzt mehr als früher blühende(n) Kreisstadt..., von freundlichen Anhöhen und Tälern mit Gärten und Rebenhügeln, Wiesen und Äckern rings umgeben... Von Handwerkern gibt es hier viele Schuhmacher, Gerber, Töpfer, Kürschner und Silberarbeiter, von denen die letzteren ihre vorzüglichen Waren meist nach Leipzig liefern. Bedeutend ist auch der Holzhandel, den hauptsächlich die Fischer treiben. Zu den übrigen Gewerben kommen noch Gärtnerei, etwas Landwirtschaft und Weinbau, 2 Champagnerfabriken, 1 Porzellanfabrik, 1 Spiegelmanufaktur, 2 Buchhandlungen, 1 Buchdruckerei, 1 lithographische Anstalt, 3 Krammärkte, 2 Viehmärkte, 1 Pferdemarkt und 3 wöchentliche Getreidemärkte, die Sandsteinbrüche, Mühlen etc." (Die malerischen Ufer der Saale. Dresden, 1848)

1846

Weißenfels wurde sehr früh an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

1855

Gründung der Werschen-Weißenfelser Braunkohlen-Aktiengesellschaft (AG) und der Sächsisch-Thüringischen AG für Braunkohlenverwertung. Weißenfels wurde zum Verladeplatz des hiesigen Kohlenreviers und ein Mittelpunkt der Folgeindustrien.

1856

Louise von François: Aus dem preußischen Herzogtum Sachsen: "Der Trunk ist nur ein ausnahmsweises Laster des städtischen Proletariats ... und Gewalttaten, dem vergiftenden Geiste des Alkohols entspringend, kommen selten vor. Wir haben eben keine groben Laster, sind ein betriebsames, fügsames, anstelliges, geselliges Völkchen... Doch zurück zu unsern ‚derren Bergern', zu dem kleinen Handwerkerstand, der hier wie überall der gedrückteste Teil der Bevölkerung, und dem die Gesetzgebung daher die vornehmste Berücksichtigung schuldig ist, denn aus ihm rekrutiert sich das Proletariat. Die Klagen über Gewerbefreiheit, verlorenen Zunftzwang, Fabrikwesen usw., Wahres und Irrtümliches, Ursache und Folge, Folge und Ursache vermengend, wiederholen sich auch hier in den betreffenden Schichten; es ist eben ein Übergangszustand und darum opferreich." (Louise von François: Vergessene Geschichte[n]. Erster Band. Querfurt: Dingsda, 1991)

1871

Gründung des Deutschen Reiches, Wilhelm I. wurde deutscher Kaiser. In Weißenfels begann mit Eröffnung der ersten maschinellen Schuhfabrik die industrielle Schuhfertigung.

1900

Das Weißenfels um 1900 "ist ein radikal anderes als die Stadt der Reformation mit ihrem heillosen Kaland, die Luther besuchte, als die Stadt des Dreißigjährigen Krieges, wie sie Maria Eleonore im November 1632 von den Fenstern des kurz nachher zerstörten alten Schlosses sah, als sie während der Schlacht bei Lützen der Rückkehr des königlichen Gatten harrte. Es ist ein anderes als das Versailles en miniature (d. h. im Kleinen) des 17. und 18. Jahrhunderts, das ein lebensfrohes und kunstsinniges, aber wenig landesväterliches Fürstengeschlecht beherrschte ..., ein anderes als das Weißenfels des Jahres 1792, dessen gesellschaftliches Leben die letzte Reckenburgerin in ihrer kulturgeschichtlich so interessanten Lebensgeschichte schildert. Eine Industriestadt ist es ... Der genius loci (d. h. die schöpferische Kraft des Ortes) wohnt hier nicht im volkstümlichen Kleinleben der Landschaft, nicht so sehr in Kirche und Rathaus und auch nicht einmal im majestätischen Schlossbau. Hier hat er seinen Aufenthalt in den Arbeitsräumen der Fabriken genommen. Es ist eine Mannigfaltigkeit industriellen Lebens, das sich in Weißenfels dem Studium darbietet." (Löwisch, zit. nach: Gerhardt: Geschichte der Stadt Weißenfels a. S. Weißenfels, 1907)

1921

In der Stadt Weißenfels lebten etwa 36.000 Einwohner. Der Magistrat der Stadt beschäftigte 76 Beamte, 137 Tarifangestellte und 230 Arbeiter. Beim Kreisausschuss des Landkreises waren 15 Beamte, 2 Ständig-Angestellte, 53 Tarifangestellte sowie 26 Straßenwärter und Arbeiter tätig. In der Stadt produzierten 124 Schuhfabriken mit über 5.000 Arbeitern und 41 selbstständige Meister. (Landkreis Weißenfels, Geschichtlicher Abriss. Weißenfels, 1998)

1932

Bildung eines neuen, größeren Weißenfelser Kreises. Der alte preußische Kreis Weißenfels in seiner Ausdehnung bis zum 1. August 1932 geht auf 1815 bzw. das frühere kurfürstlich - sächsische Gerichtsamt Weißenfels zurück. Dieses Territorium gehörte zusammen mit anderen Gebieten von 1656 bis 1746 zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels mit der Hauptstadt Weißenfels. Nachdem 1815 das Stift Naumburg von Sachsen an Preußen abgetreten werden musste, bildete sich zunächst ein Stadtkreis Naumburg, der schließlich 1818 erweitert wurde. Dieser Naumburger Kreis wurde zum 1. August 1932 mit dem Kreis Weißenfels vereinigt.

1933

In Weißenfels lebten 40.844 Einwohner. Bei der letzten Stadtverordnetenwahl vor der politischen Gleichschaltung erhielten Hitlers Nationalsozialisten 16 Sitze, die Kommunisten 9, die Sozialdemokraten 6 und die Bürgerliche Einheit ebenfalls 6 Sitze.

1945

Am 14. April war Weißenfels von der US-Armee eingenommen. Bald wechselten die Besatzer, am 1. Juli 1945 rückte die sowjetische Armee in Weißenfels ein.

1948

Aus enteigneten Schuhfabriken entstanden in der Stadt Weißenfels die ersten volkseigenen Betriebe (VEB): Apartus (Lutherstraße), Gigant (Merseburger Straße), Einheit (Zeitzer Straße), Vorwärts (Tagewerbener Straße), Wanderbursch I und II (Tagewerbener und Lessingstraße), Motor I und II (Beuditz- und Zeitzer Straße), Lipsia (Naumburger und Kleine Deichstraße), Konsum (Novalisstraße), Gesundheitsschuh (Mühlberg). (Schreier: Die Schuhindustrie in der Nachkriegszeit. In: Weißenfelser Heimatbote, 1999/Heft 1)

1950/52

Verwaltungs- und Gebietsreform 1952. Die Folgen im Raum Weißenfels waren besonders dramatisch: Die Fläche des Landkreises, zu dem seit 1932 auch Naumburg gehört hatte, verringerte sich wieder von 658 auf 223 Quadratkilometer. Die Stadt Weißenfels verlor bereits vorher - zum 1. Juli 1950 - wie viele andere Kommunen auch ihren kreisfreien Status. Als dauerhaft erwies sich das Resultat kleinerer Gebietsbereinigungen aus dem Jahre 1950: Aus dem Merseburgischen kam der Raum Lützen zum Kreis Weißenfels.

1980er-Jahre

"Wichtig für Weißenfels sind die Betriebe und Einrichtungen der Schuhindustrie (u. a. VEB Schuhfabrik ‚Banner des Friedens', VEB Kombinat Schuhe, Ingenieurschule für Lederverarbeitungstechnik und VEB Schuh-Design). ... Mehrere Betriebe der Metall verarbeitenden Industrie haben in Weißenfels ihren Standort. Dazu zählen der VEB Ketten- und Nagelwerke, der größte Produzent für diese Erzeugnisse in der Republik, und der VEB Vorrichtungsbau. Wichtig ist ferner die Möbelindustrie. Trommeln und andere Musikinstrumente des VEB Tacton erfreuen sich nicht nur in der DDR großer Beliebtheit, sind auch ein wichtiger Exportartikel. ... Das die Stadt umgebende Territorium wird durch eine hoch intensive Landwirtschaft geprägt." (Weißenfels - Schuhmetropole. Weißenfels, 1989)

1989

Friedliche Revolution. Friedensgebete, Demonstrationen und "Runder Tisch" auch in Weißenfels.

1993

Der Landtag von Sachsen-Anhalt verabschiedete das Gesetz über die Gebietsreform.

Lebensader Saale


Weißenfelser Bürgermeister bis 1933

- Oelzen - erster Hauptamtlicher (1813 - 1848)
- Ludwig Werner Hirsemann (bis 1878)
- Felix Scheibner (1878 - 1881)
- Adalbert Welcker (1881 - 1885)
- Franz Falkson (1885 - 1897)
- Johannes Wadehn (1897 - 1909)
- Wilhelm Daehn (1907 - 1933)
- Heinrich Müller (1910 - 1933)


Louise von François 1883 über die Zeit nach 1814/15:

"Nach zehnjähriger Kriegsdrangsal, Entbehrungen, Zerstörungen jeglicher Art, nach bösen Seuchen und zahlreichen Familienopfern schmachtete alle Welt nach Zerstreuung und Ergötzen; politische Zerwürfnisse schlummerten ein, Spiel und Tanz wurden die Bedürfnisse des Tages. Alle Epochen und alle Zonen bekunden ja solchen ungestümen Wandel von Not zu Lust in der Kleinstadt so gut wie in der Weltstadt." (Bruchstück einer Autobiografie. Zit. nach: L. v. François. Zum 100. Todestag. Weißenfels, 1993)


Weinort Weißenfels


Über Weißenfels anno 1826:

"Das Städtchen ist, da die große Straße von Berlin nach Frankfurt hindurch führt, bekannt genug ... Weißenfels ist eine ... kleine Stadt, ehemalige Residenz einer sächsischen Nebenlinie, deren letzter Sprössling eine Passion fürs Geigen hatte und jemanden zur Belohnung für einen Riesenbass zum Geheimrath machte, zu einer Zeit, als ein Geheimrath, namentlich in Sachsen, noch eine Delikatesse war. Es wird belebt durch Garnison und Holzhandel ... und hat ein stattliches Schloss." (Wolf, zit. nach: Gerhardt: Geschichte der Stadt Weißenfels a. S. Weißenfels 1907)


Kronprinz Friedrich Wilhelm beim Kaisermanöver in Weißenfels 1883

Gefallenendenkmal in Burgwerben

Säbelrasseln vor und Gefallenendenkmal nach dem Kriege


Blick auf die Altstadt vom Bismarckturm 1907

Blick vom Klemmberg auf die Weißenfelser Innenstadt im Jahre 1907


Rathaus zu DDR-Zeiten

Detail aus der Friedrich-Engels-Straße in den 1980er Jahren (heute Jüdenstraße)

Gaststätte Kosmos in Weißenfels-West zu DDR-Zeiten (später abgerissen)

Stadtansichten aus der DDR-Zeit


Impressionen von der 800-Jahrfeier der Stadt Weißenfels im Jahre 1985


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