Mittel-de Gesamt Regionen Orte und Umgebung Routen

Stadt am Fluss und der vielen Hügel

Fluss Saale, im Hintergrund Klemmberg Berg und Tal: oben die Bergschule und unten die Leipziger Straße

Wer die Reize von Weißenfels entdecken will, muss sich Zeit nehmen. Prägend ist der Fluss, der sich bei Weißenfels an den letzten Ausläufern des Hügellandes reibt, ehe er in die Leipziger Tieflandsbucht entschwindet. Die Saale fließt mitten durch den Ort und teilt ihn in Alt- (südlich) und so genannte Neustadt (nördlich): Ein Spaziergang an den Ufern bringt Ruhe, ja sogar Idylle. Zwei Brücken, eine für Autos (Große Brücke) und eine nur für Fußgänger (Pfennigbrücke), überspannen den Fluss. In der Altstadt wechseln historische Kleinode, wie der Novalispavillon, oft unvermittelt ab mit städtebaulichen "Wunden", wie in der Marienstraße, die erst schrittweise "geheilt" werden können. Manche gelungenen Beispiele städtebaulicher Sanierung in der Altstadt, beispielsweise von Durchgängen wie Geiger- und Altstadt-Passage, lassen sich erst auf den zweiten Blick finden.

Hinter dem Fluss und der Altstadt gruppieren sich mehrere Hügel: Schlossberg, Georgenberg, Klemmberg, Kugelberg, Stadtberg, Brauereiberg... Einige davon haben sich zu begehrten Wohngegenden entwickelt. Den das Stadtbild bestimmenden Wechsel von Tal und Höhe mit seinen je gegensätzlichen Perspektiven gilt es zu erlaufen. Dann lässt sich erahnen, warum Weißenfels einstmals als eine der am schönsten gelegenen Städte des seinerzeitigen Sachsens gerühmt wurde. Um 1800 wuchsen auf fast allen Hängen Reben. Wer die heute teils grünen, teils vom Häusermeer bedeckten Anhöhen ersteigt oder treppauf, treppab von einem Hügel zum anderen wandert, kann an mancher Stelle durchaus einen Hauch von Romantik spüren. Noch dazu, wenn er bereit ist, zu träumen, wie es einstmals war - und wie es künftig sein kann...


Vielfalt von Gegensätzen

Weißenfels heute als Stadt auf den Punkt zu bringen, fällt schwer. "Diese Stadt hat keinen Namen und kein Image", so das harte Urteil eines nachdenklichen Stadtrates in der örtlichen Presse. Das ist in einer Kommunikations- und Medienwelt nicht gerade ein Vorteil - ein unverwechselbares Profil schafft und erhält eher Aufmerksamkeit. Kann uns ein Blick in die Vergangenheit helfen, ein solches klares Bild zu zeichnen?

Die Stadtgeschichte weist jede Menge Katastrophen und Umbrüche auf. Es scheint so, als ob fast jede andere Stadt weniger Unheil abbekam. Doch haben es Weißenfels und seine Bewohner in mehreren historischen Epochen immer wieder verstanden, sich aufzurappeln und sogar "top" zu werden.

Als Weißenfels für kurze Zeit (1656-1746) herzogliche Residenzstadt war, avancierte es zu einem Kulturmittelpunkt in deutschen Landen. Am Schloss und in einigen Straßenzügen um den Markt merkt man heute noch etwas von der einstigen barocken Pracht aus der Herzogszeit, wenn auch manches arg reparaturbedürftig ist. Mehrere damit verbundene Sehenswürdigkeiten sind insbesondere für Kultur- und Bildungstouristen von hohem Interesse. Kulturvereine, wie der Novalis-Literaturkreis oder der Musikverein "Heinrich Schütz", pflegen das kulturelle Erbe. Daraus erwachsen durchaus Chancen für die Zukunft, insbesondere auch, wenn das gegenwärtige Kulturleben weiter ausgebaut wird und dadurch beispielsweise für Tagestouristen aus umliegenden Großstädten an Bedeutung gewinnt.

Auf die Herzogszeit folgte längere Bedeutungslosigkeit, ehe schließlich die industrielle Revolution und ihre Folgen Weißenfels wieder den Aufschwung brachten. Zunächst war die Braunkohlenförderung im Umland der Motor für die Stadt. Auch andere Branchen siedelten sich an: Die bedeutende Papierfabrik der Gebrüder Dietrich (ab 1875) oder die Nollesche Nagel- und Kettenfabrik (ab 1890), die später (ab 1901) auch Schuhmaschinen herstellte. Vor allem aber produzierten die Weißenfelser Schuhe - näheres dazu unter Wirtschaft.


Harmonie der Kontraste?

Mehrere Industrialisierungsperioden unter verschiedenen gesellschaftspolitischen Systemen haben das Antlitz der Stadt beeinflusst und auch wiederholt verändert. Das Stadtbild weist nicht zuletzt deshalb eine beachtliche Vielfalt unterschiedlichster Baustile und Merkmale auf. Neben großen Fabrik- und technischen Anlagen entstanden auch viele soziale Einrichtungen. Beispielsweise gründete sich in Weißenfels recht früh - nämlich 1825 - eine Sparkasse, um die Selbsthilfe der "kleinen Leute" zu befördern. Mehrere Stadtteile sind zudem durch die bewusste Reaktion auf negative Auswirkungen der Industrialisierung geprägt: Nach 1900 wurden Parks und Gartensiedlungen angelegt, ein "grüner Gürtel" entstand. In der sozialistischen Zeit dehnten sich im Norden, Westen und Süden der Stadt große Neubauviertel aus.

In dieser Vielfalt der Kontraste und den historischen Zeugnissen urbaner Wandlungsfähigkeit liegt vermutlich die Stärke dieser Stadt. Dieser Ort war in vielen Epochen - auf je eigene Art - "modern". Weißenfels ist kein museales Gesamtkunstwerk "aus einem Guss", wohl aber ein lebendiger Anschauungsort menschlichen Tuns und interessanter Geschichte. Der Knackpunkt dabei wird sein, in der Vielfalt den "roten Faden" aufzurollen und die Kontraste so weit zu "harmonisieren", dass alle Stadtmerkmale als Bereicherung empfunden werden. Wenn es gelingt, Weißenfels` historische Rolle als wirtschaftlicher, sozialer und kultureller "Innovationswerkstatt" stärker zu akzentuieren, wird dies auch Fingerzeige auf dem Weg in die postindustrielle Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft geben und eine der Zukunft zugewandte Profilfindung fördern.

Stimmen

"Ein Teil der Stadt Weißenfels steht auf Terrassen, die die Saale im älteren Pleistozän (vor ca. 3 Millionen Jahren) gebildet hat. Die Saalehänge nördlich der Stadt werden geologisch vom unteren Buntsandstein gebildet." (Landesamt für Straßenbau: Nordost-Tangente. 1994)

"Weißenfels (um 1900) ist ein verkehrsreicher und blühender Industrieort. Die Stadt besitzt viele und zum Teil sehr umfangreiche Fabrikanlagen. Scharen fleißiger Arbeiter finden in diesen Fabriken lohnende Beschäftigung. Die hiesige Papierfabrik, eine der größten Deutschlands, beschäftigt 500 Arbeiter und fertigt durchschnittlich täglich 700 Centner Papier. In höchster Blüte aber steht die Schuhfabrikation, ja sie bildet den weitaus größten Bestandteil aller hier vertretenen Industrien. Weißenfels besitzt nach Pirmasens die größte Anzahl von Schuhfabriken des Deutschen Reiches und steht in Betreff der gelieferten Masse ebenfalls an zweiter Stelle." (Die Provinz Sachsen in Wort und Bild. Berlin, 1900)

Blick vom Klemmberg: Industrielle Anlagen nördlich der Saale

"Städte verändern ihr Gesicht, manchmal zu ihrem Vorteil, manchmal eher schmerzhaft. Ersparen wir uns das Schmerzhafte, es ist zum Glück genügend Zeigenswertes in dieser über 800 Jahre alten Stadt erhalten." (Martin Schmager: Weißenfels. Hg. von der Stadtverwaltung Weißenfels. 1998)

"Als ich (...) auf dem Marktplatz stand, mit seinen schönen barocken Bürgerhäusern, dem damals noch ockerfarbenen Rathaus und der Marienkirche, und zum Schloss hochgeschaut habe, war ich sicher: ‚Die Stadt hat was!'". (Karin Opitz: Weißenfels, das hat was! In: Weißenfelser Amtsblatt. 7. 2. 1997. S. 2)

Novalis-Grab im Stadtpark

"Die Bewohner unserer Gegend sind heiter, ordnungsliebend, auf Reinlichkeit bedacht und lieben gesellige Vergnügungen." (Aus einer alten Beschreibung der Stadt, voriges Jahrhundert)

Gedenktafel in der Leipziger Straße

"Schon in frühen Zeiten war die Weißenfelser Geschichte immer auch eine Geschichte des Weinanbaus. Das Wissen um die Weinbaugeschichte allerdings ist zum großen Teil verschüttet (...)" (Otto Klein: Interview des Monats. In: Weißenfelser Amtsblatt. 6. 3. 1998. S. 2)

"Mit der 1989 eingeleiteten gesellschaftlichen Wende hat sich auch die wirtschaftliche Struktur verändert. Aus den Großbetrieben der Schuh- und Metallindustrie erwachsen nunmehr zahlreiche mittelständische Betriebe. Handel und Gewerbe nehmen sichtbaren Aufschwung." (Der Standortälteste: Der Standort Weißenfels. 1994. S. 9)

"Unser Problem Nr. 1 ist die Stärkung der Wirtschaft und die Senkung der Arbeitslosigkeit. (...) Eigentlich haben wir beste Voraussetzungen. Weißenfels ist verkehrstechnisch hervorragend angebunden. Wir haben Leuna und Buna gewissermaßen vor der Haustür, mit dem Saale-/Unstruttal sowie den eigenen Geschichtszeugen außerdem noch ausgezeichnete touristische Angebote."
(Manfred Rauner: Interview des Monats. In: Weißenfelser Amtsblatt. Nov. 1999. S. 4)

Licht und Schatten: Neues und Altes eng beieinander

Der Weißenfelser Stadtrat stimmte im Frühjahr 2000 folgendem "Leitbildthema für Weißenfels" zu: "Barockstadt an der Saale mit Herz für Wirtschaft und Kultur". (Mitteldeutsche Zeitung Weißenfels, 4. Mai 2000, S. 9)

Inhalt, Struktur, Gestaltung und Form der Web-Seite und ihrer einzelnen Teile sowie der Datenbanken
sind urheberrechtlich geschützt. Texte und Fotos, wenn nicht anders angegeben,
sowie Zusammenstellungen © 2017 Redaktion Mittel-de.de (Dr. Tobias Liebert)
Design © 2017 Sandstorm - The Ultimate Web-Publishing Team