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Die nächste Kreisreform kommt bestimmt - Gedanken zu einer losgetretenen Diskussion

Alles schon gelaufen?

Die Gebietsreform von 1993 brachte Sachsen-Anhalt neue Landkarten. Mit den Kreisen Weißenfels und Hohenmölsen wuchs zusammen, was historisch zusammen gehört. So gravierend sich der "Flickenteppich" der Landkreise auch veränderte, nun schien er Bestand zu haben. Seit mehreren Monaten ist Sachsen-Anhalt erneut aufgeschreckt. In absehbarer Zeit sollen die Verwaltungskarten wieder neu gedruckt werden. Nicht mehr nur die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Der Kreis Weißenfels gehört zur Verhandlungsmasse. Er ist zu klein, und bringt bei weitem nicht die vorgeschlagene Mindestgröße von 150.000 Köpfen. Seine Nachbarn - viel größer als Weißenfels zwar, aber immer noch zu klein - haben bereits angefangen, laut zu rechnen...

Kleiner Landkreis, was nun? Der örtlichen Presse nach zu urteilen, dachten die meisten Weißenfelser Kommunalpolitiker zuerst nur über eines nach: Wo muss der Schlüssel abgegeben werden, eher beim südlichen oder eher beim nördlichen Nachbarn? Zweifellos hat gegenwärtige Realpolitik anzuerkennen, dass die Weißenfelser Voraussetzungen nicht die besten sind. Die in den Landesentwicklungsplan hineingerutschten "teilweisen Oberzentrumsfunktionen" der Mittelstädte Merseburg und Naumburg, aber auch die finanziellen Dauerprobleme des Weißenfelser Kreises entwickeln nun ihre Eigendynamik.

Traditionen und Szenarien

Gewiss, es gibt Schlimmeres als von der Landkarte zu verschwinden. Und bekanntlich taugen historische Argumente im Kampf hier und jetzt um Geld, Aufmerksamkeit und Gestaltungsmöglichkeit eher wenig. Aber sie schärfen den Blick für die Tragweite von Entscheidungen auch für kommende Generationen. Weißenfels war, so weit man zurück denken kann, immer Verwaltungssitz für ein mehr oder weniger großes Gebiet. Zu diesem Raum hat zeitweise auch der südliche Nachbar gehört - nicht umgekehrt.

Weißenfelser Realpolitik sollte mindestens so visionär sein, alle denkbaren Szenarien (wer mit wem, Kreissitz ja und nein) vorurteilslos und gleichberechtigt durchzuspielen. Dazu gehört freilich auch die eines Großkreises Sachsen-Anhalt Süd mit Sitz in Weißenfels. Für jedes dieser Szenarien gilt es politisch gleich gut vorbereitet zu sein. Denn in der jetzigen Phase erscheint es noch zu früh, endgültige Optionen für irgendein Szenarium zu erteilen.

Was wollen wir wirklich?

Die eher ungünstigen Szenarien tangieren wesentlich die Identifikation der hier lebenden Menschen. Eine mögliche Entscheidung zwischen Nord (Merseburg) oder Süd (Burgenland) bietet erheblichen mentalen Zündstoff, das sehen wohl viele "Weißenfelser" so. Aber unser Problem dabei ist: Wir glauben etwas zu wissen, was wir nicht wirklich wissen. Eine wissenschaftlich-empirisch abgesicherte Untersuchung über das "Selbstimage", die Identität und Mentalität, der im Kreis lebenden Menschen gibt es bislang nicht. Falls eine Nord-Süd-Entscheidung auf die unmittelbare Tagesordnung kommen sollte, wäre ein solches "Bild" ungemein hilfreich und für die Entscheidungsträger auch beruhigend.

Mehr klingeln, lauter reden, ständig überzeugen

Egal welches Szenarium letztlich zum Zuge kommt, eines ist immer richtig, sofort und ständig: Den Kreis Weißenfels und seine Kreisstadt bekannter zu machen, ihre Standortvorzüge, Argumentationen und "Zukunftsbilder" selbstbewusst und offensiv in unsere Kommunikations- und Mediengesellschaft hinauszutragen. Dies sollte darauf hin geplant werden, die eher günstigen Szenarien zu befördern. Ohne allerdings vordergründig zu wirken. Eine stärkere Weißenfelser Stimme in der überregionalen Öffentlichkeit wird die eigenen Akteure ermutigen und die öffentliche Meinung beeinflussen. Worte können auch verändern.

Falls der Kreis geht und schlimmstenfalls gar geteilt wird, bleiben die Probleme: wenig Geld, hohe Arbeitslosigkeit... Damit bleiben auch spezifische Interessen von Bevölkerung und Wirtschaft in dem Gebiet, das heute den Kreis Weißenfels bildet. Die gebietstypischen Probleme zu lösen, diese Interessen zu vertreten und dafür in der Öffentlichkeit sowie bei den Entscheidungsträgern ein offenes Ohr zu bekommen, wird dann zweifellos schwieriger. Ohne den organisatorischen Rahmen "Kreis", ohne eigene Kreisverwaltung lässt sich nur noch mit Worten streiten. Auch unter diesem Blickwinkel gerät also eine strategisch aufgebaute und offensive Öffentlichkeitsarbeit zur besten Versicherung für ein Leben nach dem Tode.

Tobias Liebert

Landratsamt am Friedhof

"Die sich entwickelnde regionale Kooperation erleichtert es, die Möglichkeiten des Regionalmarketings und der damit abgestimmten Stadtmarketingkonzepte des Oberzentrums Halle bzw. der Mittelzentren mit Teilfunktion eines Oberzentrums Merseburg und Naumburg sowie der Mittelzentren Weißenfels, Sangerhausen, Zeitz und Lutherstadt Eisleben, in stärkerem Maße als bisher zu nutzen." (Regionales Entwicklungskonzept der Region Halle. 1998. S. 29f.)

In welcher Richtung wird sich Weißenfels orientieren?

"Sowohl der Burgenlandkreis als auch der Landkreis Merseburg-Querfurt haben offenbar Interesse an einem Zusammengehen mit dem Landkreis Weißenfels. Das machen erste Reaktionen auf das (...) Leitbild für eine Verwaltungs- und Gebietsreform deutlich." (Verwaltungsreform. Kleiner Kreis wird interessant. In: Mitteldeutsche Zeitung. Weißenfels. 22. 11. 1999. S. 7)

Wird Weißenfels die Balance zwischen seinen Nachbarn halten?

"Für ein offensives Herangehen der Stadt im Zusammenhang mit einer bevorstehenden Gebietsreform haben sich (...) mehrere Mitglieder des Hauptausschusses des Stadtrates ausgesprochen. (...) Im Wesentlichen einig waren sich die Hauptausschuss-Mitglieder darin, dass Weißenfels bei der Frage nach dem Sitz der Kreisstadt eines größeren Landkreises schlechte Karten hat. Rauner meinte, dass Weißenfels auch auf Grund der aktuellen Finanzprobleme im Landkreis bereits einen starken Imageverlust erlitten habe. Die Stadt werde sich mit dem Verlust des Kreisstadt-Sitzes abfinden müssen." (Andreas Richter: Gebietsreform. In: Mitteldeutsche Zeitung. Weißenfels. 12. 2. 2000. S. 12)

Welchen Weg geht Weißenfels? Traditionelle Werte und globale Herausforderungen

"Der Landkreis Weißenfels hat eine (heute über) 182-jährige sehr wechselvolle Geschichte. Schon 1815 gegründet, gehört er damit - wie noch einige weitere in Sachsen-Anhalt - zu den ältesten Landkreisen in Gesamtdeutschland. ... Besonders augenfällig (... sind) die vielen Gebietsreformen und politischen Veränderungen ..., die natürlich immer zu großen Spannungen für die direkt Betroffenen führten." (Landkreis Weißenfels, Geschichtlicher Abriss 1815-1997. Weißenfels, 1998)

Blick auf die Weißenfelser Altstadt

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