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Historisches Glück in aktive Regionalentwicklung ummünzen

Retter "Zufall"

Der Untergang des eigenständigen Kreises Weißenfels schien schon besiegelt: Ganz Sachsen-Anhalt redete von einer künftigen Verwaltungs- und Gebietsreform mit größeren Landkreisen. Ein Sonderausschuss des Weißenfelser Kreistages bereitete in den ersten Monaten des Jahres 2002 intensiv eine Fusion mit einem der beiden oder beiden Nachbarkreisen vor. Faktisch lief wohl alles auf einen Anschluss zum Burgenlandkreis hinaus.

Doch dann fanden in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen statt: Erdrutschartig veränderten sich die Machtverhältnisse, und die neue CDU/FDP-Regierung wollte von den Reformplänen ihrer SPD-Vorgänger nichts mehr wissen. Alles bleibt wie es ist, versicherten die frisch Gewählten: In und um Weißenfels plumpsten die sprichwörtlichen Steine von vielen Herzen. Kein drohender Bedeutungsverlust der Stadt, die ohne Kreissitz ziemlich nackt dastünde. Keine zusätzlichen Arbeitslose durch Auflösungen von Verwaltungen, kein Rattenschwanz von Folgewirkungen (Beispiel: Zukunft der Sparkasse)...


Die Gunst der Stunde

So zu tun als ob nichts gewesen wäre, ist aber gefährlich. In vielerlei Hinsicht: Wer über viele Jahre mit hohem Einsatz die Gebietsreform vorbereitet hat, wird sich zunächst fragen: Lohnt sich politische Arbeit überhaupt noch? Und die neue alte Ruhe kann trügerisch sein, denn die Gründe, die einstmals die Verwaltungs- und Gebietsreform anschoben, bleiben bestehen: Finanznot, Verwaltungsmodernisierung... Welche Antworten wird die neue Regierung finden? Zieht nach der unverhofften Ruhe ein umso heftigerer Sturm auf?

Möglicherweise sind die Sonderausschüsse und Reformgremien in Weißenfels zu schnell auseinander gelaufen. Denn vieles spricht dafür, die neue Situation als Atempause für einen neuen Anlauf aufzufassen und zugleich den Blick über Verwaltungsaspekte hinaus zu weiten. Der eingetretene Zeitgewinn bietet Kreis und Stadt Weißenfels die Chance, sich im regionalen Konzert neu aufzustellen und gemeinsam, aber auch im fairen Wettstreit mit seinen Nachbarn verlorenen Boden gut zu machen. Weißenfels und Umgebung haben eine wirtschaftliche, politische, kulturelle und kommunikative Standort-Offensive verdient. Für ihren Start ist jetzt, da die Karten in Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland neu gemischt werden, ein richtiger Zeitpunkt.

T.L.


Faschingsumzug Feldherrenbank auf dem Klemmberg


Hinweis: Seit 2004/2005 wird Weißenfels erneut mit dem Problem einer Kreisreform in Sachsen-Anhalt konfrontiert.

Merseburger Straße mit ehemaligem Filmpalast Gloria


2004 keine neuen Kreise - Neue CDU/FDP-Landesregierung gegen Kreisreform

"Frage: Obwohl nicht wenige Experten Sachsen-Anhalt Kleinstaaterei vorwerfen, hält die CDU eine Gebietsreform für überflüssig? Becker (CDU-Innenexperte): Momentan ja. Diese Reform bringt für die Lösung der wirklichen Probleme nichts. Nichts für die Infrastruktur, nichts für Arbeitsplätze, nichts für Kosteneinsparung, nichts für das Hierbleiben der Menschen." (MZ 24. April 2002)


Landtag stoppt endgültig Gebietsreform

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat gegen die Stimmen der Opposition die drei Vorschaltgesetze zur Gebietsreform gekippt. (MZ 19. Juli 2002)


Kreistag löst Ausschuss zur Fusion mit Nachbarkreis(en) auf

Der Weißenfelser Kreistag stimmte bei zwei Enthaltungen der Auflösung des zeitweiligen Ausschusses zur Funktional-, Struktur- und Gebietsreform zu. Dieser Ausschuss hatte begonnen, eine Fusion des Kreises Weißenfels mit einem oder beiden Nachbarkreisen vorzubereiten. (MZ 31. Mai und 12. Juni 2002)


Nicht alle über Gebietsreform-Stopp froh

Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt und Landkreistag Sachsen-Anhalt kritisieren den Stopp der Gebietsneuordnung. (MZ 11. Juni, 8. Juli, 18. Juli 2002)


Landrat will Kreis-Image verbessern

Der Landkreis Weißenfels solle nach außen positiv vermarktet werden. Dazu würden mehrere Initiativen gestartet, kündigte Landrat Rüdiger Erben anlässlich seines einjährigen Amtsjubiläums an. Noch immer hänge Weißenfels ein negativer Ruf an, was wohl aus der sogenannten "Zwangsverwaltung" des Landkreises Ende der 1990er-Jahre resultiere, so Erben. "Wir sind nicht nur ein Denkmal für den Niedergang der Schuhindustrie, sondern heute ein Zentrum der modernen Lebensmittelindustrie. Wir sind durch moderne Autobahnen mit der Welt verbunden und haben eine reiche Geschichte." (Amtsblatt des Landkreises. Juli 2002, S. 5)


Botschafter-Strategie und Logo

Rund 20 überregional tätige prominente Weißenfelser werden künftig als "offizielle Botschafter des Landkreises Weißenfels" für die Region werben. Außerdem entstehe ein Logo für den Landkreis. Dies seien Bausteine einer künftig stärkeren Imagepflege für den Landkreis, teilte Landrat Rüdiger Erben am 21. August 2002 mit. (MZ vom 22. 8. 2002)

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