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Ein Spaziergang durch den Schlossbezirk

Der Eckschalenturm der alten Burg am Beginn der eigentlichen Schlossauffahrt war einst - zu Kutschers Zeiten - ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Hier verzweigte sich die Straße nach Leipzig in eine Talroute (über die Hohe Straße zur heutigen Leipziger Straße) oder in eine Höhenroute über heutige Zeitzer Straße und Lassalleweg. Das erste Teilstück der Höhenroute bis zur Biegung vor der Wohnanlage "Am Klemmberg" ließen die Weißenfelser Herzöge als sechsreihige Baumallee ausbauen.

Etwa entlang dieser Baumreihen verlief die hölzerne Röhrfahrt, die die Residenz mit Wasser aus Selau versorgte. Links von ihr, zwischen Schloss und heutiger Bergschule, umgaben Weinreben das Provianthaus. Den rechten Rand der Allee säumt der Marstall (später ein Baubetrieb). Baubeginn war 1744 auf dem Gelände der so genannten Wolfsburg. Das letzte Drittel des Stalles riss man später wieder weg, die Armee brauchte Platz für ein Bezirkskommando. In der Kehre der Zeitzer Straße schließlich steht die ehemalige Heeresbäckerei.

Die Baumallee fand ihren Abschluss am herzoglichen Reit- und Ballspielhaus, von 1706 bis 1708 errichtet und anlässlich einer Hochzeitsfeier der Schwester "Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht" mit großem Pomp eingeweiht. Später als Magazin genutzt, sollte es nach dem l. Weltkrieg infolge des Versailler Vertrages niedergerissen werden. Damals noch vor der Zerstörung bewahrt, wurde es aber 1945 mit riesigen Vorräten für Truppen von zurückweichenden deutschen Einheiten in Brand gesteckt.

Einige Schritte die Zeitzer Chaussee bergauf, biegt nach rechts die Straße Am Küchengarten ein. An die einstige Bestimmung dieses Areals erinnern höchstens noch einige Kräuterbeete an den schmucken Einfamilienhäusern. Geht man dann zurück zum Turmstumpf der alten Burg, wird der ehemalige Schlossgarten passiert, von dem aber nichts mehr zu sehen ist. Gärtnerischer Ehrgeiz muss sich heute anderswo entfalten.

Auch nur noch in der Erinnerung gibt es das herzogliche Lusthaus im Barockstil mit Wandmalereien und Stuckarbeiten. Später als Abstellkammer des Militärlazaretts dienend, konstatierte schon der Stadtführer von 1930 den Verfall. 1985 schließlich wurde es abgerissen.

Fortsetzung über den Klemmberg

Ein alter Stich von Merian aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg zeigt den Klemmberg noch weithin kahl und fast bar jeden Hauses, nur eine Ziegelscheune ist bezeichnet. Dann, 1706 bis 1708 ließ der Weißenfelser Herzog Johann Georg das bereits erwähnte fürstliche Reithaus erbauen. 112 mal 17 Meier Grundfläche, ein ziemlich imposantes Gebäude. (Heute befindet sich hier die Wohnanlage "Am Klemmberg".)

Frühzeitig geriet der Klemmberg ins Blickfeld der Militärs. Zwei Mal in der Geschichte standen preußische Kanonen etwa dort, wo sich jetzt die Aussichtsplattform an der Bergschule befindet. Sie schossen auf sich zurückziehende französische Truppen: 1757 unter Friedrich dem Großen vor der Schlacht bei Roßbach und 1813 unter Marschall Blücher nach der Völkerschlacht bei Leipzig. Von den früher an diese Ereignisse erinnernden Gedenktafeln bzw. -steinen (an der Bergschule und auf der Halbhöhe zwischen Klemmberg und Herrenmühle) fehlt leider jede Spur.

Ein neues, ein "grünes" Kapitel für den Klemmberg begann, als er zum Park wurde. So richtig Leben auf den Klemmberg kam zu Beginn unseres Jahrhunderts. Ein Schreiber hob 1904 im Weißenfelser Tageblatt sogar zu der Frage an: "Wird sich, wenn erst der inmitten der neuen Parkanlage geplante, weithin sichtbare Bismarck-Turm seiner Bestimmung übergeben ist und das ... Bauterrain in ein regelrechtes Villenviertel umgewandelt wurde, nicht auch der Fremdenverkehr heben?"

Eine solche Perspektive stieß offenbar nicht nur auf Gegenliebe. Im Kreisblatt forderte ein Bewohner der Alten Leipziger Straße, man solle das Geld nicht für einen prächtigen Park und "monumentalen Turm ausgeben, sondern lieber für Kanalisation und Pflastersteine" seiner Straße. Dennoch: Der Park wurde 1905 angelegt und darin am 9. Mai anlässlich des 100. Todestages von Friedrich Schiller ein Gedenkstein errichtet. Im Unterschied zu einigen anderen Denkmälern im Park steht dieser Stein heute noch.

Der Aussichtsturm schließlich wurde am 25. August 1907 mit einem ziemlich aufwändigen Fest eingeweiht. Er ist leider schon seit vielen Jahren geschlossen. Schade!


Auf den so genannten "Badanlagen" unterhalb des Bahnhofs

Badeort Weißenfels

Mehrere Chronisten rühmten in früher Zeit unsere Stadt ob ihrer landschaftlich reizvollen Lage. Noch 1744 wurde das Saaletal bei Weißenfels mit dem biblischen Tal des Libanon verglichen, das als Inbegriff natürlicher Schönheit galt. Auch die Heimatdichterin Luise von Francois und Dr. Sommers "Saxonia" von 1835 trafen ähnliche Aussagen.

Das mag die Bestrebungen von anno 1824 erklären, Weißenfels zum Badeort zu erheben. Der damalige Bürgermeister Oelzen ließ gemeinsam mit einigen betuchten Herren eine Badeanstalt erbauen. Acht "bequeme, komfortable Badestübchen" und zwei Aufenthaltsräume befanden sich in dem Gebäude, in das in den 1920er Jahren eine Trommelfabrik einzog. Der Straßenname "Am Bad" unterhalb des Bahnhofs deutet noch heute darauf hin. Außer einfachen Wasserbädern wurden damals Seifen-, aromatische Kräuter-, Schwefel-, Stahl- sowie Seesalzbäder angepriesen.

Kräuterbäder und Geselligkeit

Sogar eine Badeordnung wurde erlassen, wie der Ortschronist Gerhardt zu berichten weiß: "Die Direktion ist überzeugt, dass - dem Zwecke der Anstalt gemäß - nur Anstand und Sittlichkeit daselbst herrschen und kein Anstoß sowohl die Badenden treffen als das gesellige Vergnügen überhaupt stören werde... Das gesellige Vergnügen anlangend, so sind die zur Bade-Anstalt gehörigen nahen Umgebungen zum Promenieren und zur Ergötzlichkeit der Badegäste bestimmt, wobei jedoch um Schonung gemachter Anpflanzungen gebeten wird... Wöchentlich einige Mal in den Morgen- und Abendstunden ist Musik... Kalte und warme Speisen und Getränke reicht der Bademeister..."

Leider blieben die Kurgäste aus. Die oberen Zehntausend der Gesellschaft zogen offenbar Baden-Baden und Carlsbad unserem Weißenfels vor.

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen in loser Folge ausgewählte Rundgänge und Stadtviertel vor. Wir beginnen nebenstehend mit Schlossbezirk und Klemmberg sowie den Badanlagen an der Saale.

Saalepanorama

Bismarckturm: kein Zutritt


Literaturhinweise

Zum Klemmberg und seinem Park: - Mehrere Beiträge von Hubert Mayer in der Mitteldeutschen Zeitung. Weißenfels. 27. 7., 29. 7., 30. 7., 31. 7. 1999. Weitere Artikel am 23. 9. 1998 und 12. 6. 1999.


Impressionen

"Wenn am Abend die Lichter vom (Weißenfelser) Klemmberge zu Tale leuchten, wenn man um diese Zeit hier hinabschaut auf den elektrisch erleuchteten Bahnkörper, der sich bis Burgwerben ausdehnt, wenn man den Blick schweifen lässt über die dem Auge sichtbare Altstadt mit dem stattlichen, strahlenden Marktplatze, über die glitzernden Wasser der Saale in die erstaunlich sich dehnende Neustadt - so ist das zwar nicht mit einem Blicke vom Kreuzberge bei Berlin oder von Mt. Martre bei Paris vergleichbar, aber es wird den Fremden doch ein angenehmes, ja überraschendes Bild bieten." (Gerhardt: Geschichte der Stadt Weißenfels a. S. Weißenfels, 1907)

"Von der mit Kastanien und Pappeln bestandenen Badallee (unterhalb des Bahnhofs) aus bieten sich dem Spaziergänger abwechslungsreiche Ausblicke. (...) Drüben, am jenseitigen Ufer, drängen sich die alten Fischerhäuser ganz dicht am Wasser. (...) Schon vor langen Zeiten hat die Fischerei in Weißenfels in hoher Blüte gestanden." (Kreisbildstelle: Der Lauf der Saale zwischen Saaleck und Bad Dürrenberg. Ca. 1950. S. 22)

Pfennigbrücke (historische Aufnahme)

Historische Anzeige von 1929

Bootshaus in Beuditz (etwa 1985)

Detail vor der Schwimmhalle in Weißenfels-West

Weißenfels-West

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