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Wo fängt Thüringen an?

"Hier bei Weißenfels beginnt die große Schlachtebene, die sich zwischen Halle, Merseburg, Leipzig und Lützen ausbreitet. Thüringer Hügel wachsen nach Süden herauf zu Bergen. Geographisch beginnt Thüringen eigentlich hier." Dies notierte Heinrich Laube, ein 1848er Parlamentär und weltgewandter Schreiber, auf seiner Reise durch das Biedermeier. Für den, der heute in der "großen Ebene" wohnt, verbinden sich mit Thüringen so manche Sehnsüchte: grüne Natur, Wandern, plätschernde Bäche, alte Bräuche... Wem es für einen Wochenendtrip zum Rennsteig zu weit ist, sollte sich einmal an Heinrich Laubes Thüringen-Verständnis halten.

Sommerrodelbahn Verlässt man Weißenfels auf der B 87 Richtung Naumburg, ist sogleich die erste Bergprobe zu bestehen. "Schöne Aussicht" heißt die Flur, und auch ein renommierter Autoatlas kennzeichnet die Route als "landschaftlich bemerkenswert". An der Bundesstraße befriedigt der 1993 hier eröffnete "Saale-Unstrut-Einkaufspark" so manche Einkaufsträume. Daneben lockt die 2001 eröffnete Allwetter-Rodelbahn Gäste aus nah und fern an. Ein Wegweiser schickt uns nach rechts ab zum Terrassencafé, einer traditionsreichen Ausflugsgaststätte oberhalb von Leißling. Wo der Blick frei ist, kann man in die Ferne schweifen, unten im Tale fließt die Saale.


Leißling - eine Thüringer Pforte

Vielleicht lässt sich der eine oder andere nach dem Shopping in das nahe, aber etwas abgelegene Dorf Leißling locken? Mit einer Festwoche beging der Ort 1992 sein 760-jähriges Bestehen. Die ruhige Wohn- und Erholungsgemeinde ist zu Fuß den Kirchberg hinunter zu erreichen. Wer in das Taldorf fahren will, wählt die nächste Abfahrt von der B 87. Durch Wald führt die Straße über Serpentinen hinab, die Winterlaite. Am Ortseingang ein Brunnenbetrieb mit einer 76 Meter tiefen Bohrung. In der Gemeinde sprudelt es an mehreren Stellen aus dem Bundsandstein heraus. So mancher Nachmittagskaffee wird noch mit klarem Wasser aus dem Berginneren gekocht, sagen die Einheimischen. Das Dorf hat es mit dem Wasser. Um zum Saaleufer zu gelangen, muss man am Bahnhof vorbei. Der Personenzug aus Halle oder Leipzig braucht übrigens nur eine knappe Stunde bis hierher. Hoffentlich ist Christophorus, der Schutzpatron der Fährleute, dem Wanderer, der nach Goseck übersetzen will, hold.

Touristen wollen übernachten. Aber nicht, wie einst der Einsiedler "Höhlen-Ernst", der in einer Sandsteinhöhle des Leißlinger Waldes lebte. Er war ein Original und betreute die Wanderwege des damaligen "Thüringer-Wald-Vereins". Heute gibt es einige Gästebetten bei Privatvermietern. Leißlinger mögen die Kultur. Der unbestrittene Höhepunkt des Vereinslebens ist das alljährliche Eierbetteln nach Pfingsten. Dieses folkloristische Spektakel mit langer Tradition zieht Besucher aus nah und fern an. In bunten Kostümen und schrillen Masken ziehen die Akteure ausgelassen durchs Dorf. In der Kurzen Straße 3 hat Frau Palkowitsch in einem Bauernhof ein Heimatmuseum eingerichtet.

Leißlings Umgebung ist nach allen Seiten hin angenehm. Noch keine Rede war vom Nachbarort Schönburg mit der gleichnamigen Ruine. Der 32 Meter hohe Bergfried dient als Aussichtsturm. Wer in und um Leißling noch nicht genügend "Thüringen" gefunden hat, kann es ja mal mit Rudelsburg und Saaleck bei Bad Kösen probieren. Genau so nah ist die Wein- und Sektstadt Freyburg an der Unstrut mit der Neuenburg, der östlichen Grenzfeste des alten Thüringischen Reiches. Schmieden kann man die Ausflugspläne bei einem Gläschen, Leißlings Gaststätte trägt den Namen "Thüringer Pforte"...


Liebesdrama anno dazumal - sagenhafte Dreiecksbeziehung in Goseck

Goseck - nördlich der Saale gelegen - veranstaltet jährlich ein Weinbergfest. Im Dorf befindet sich außerdem eine hübsche Heimatstube (Gosecker Heimat- und Kulturverein, Burgstraße 53). Hoch über dem Saaletal thront auf einer Felsenhöhe das Gosecker Schloss. Es atmet eine lange Geschichte und Romantik obendrein. Wohl deshalb gab es schon in mehreren Filmszenen eine stimmungsvolle Kulisse ab. Bereits im Hersfelder Zehntenverzeichnis (881/899) erwähnt, war es im 11. Jahrhundert Sitz eines thüringischen Grafengeschlechtes. Zu jener Zeit trug sich eine herzergreifende Begebenheit zu, halb Historie, halb Sage.

Im Schloss wohnte Pfalzgraf Friedrich mit seiner Gemahlin Adelheid, die - wie kann es anders sein - sehr schön war. Das gewahr auch Landgraf Ludwig, der schließlich in Liebe zu Adelheid entbrannte. Blitz, plauz ließ Ludwig die gegenüberliegende Schönburg erbauen, nur um seiner Geliebten nahe zu sein. Immer wenn Friedrich nicht zu Hause war, sandte die untreue Adelheid eindeutige Zeichen zur Schönburg hinüber. Eines Tages ward der lästige Ehemann erstochen und der Landgraf führte die gar nicht traurige Witwe als seine Frau heim.

Doch die Mordtat wurde ruchbar und die Gerechtigkeit brach sich Bahn. Ludwig wurde auf Burg Giebichenstein eingesperrt. Allerdings konnte er später fliehen - er sprang in die Saale und damit in die Freiheit. So kam Ludwig zum Beinamen "der Springer". Er tat es Adelheid nach, beide übten Buße in einem Kloster. Die Ehebrecherin fand jedoch keine Ruhe und soll noch heute auf der Neuenburg als "Weiße Frau" umhergeistern. Nicht auf Schloss Goseck, der Wanderer nach Goseck muss sich also nicht ängstigen...


Goseck: Sensationelle Ausgrabungen

Seit Juli 2003 sorgt die etwa 7.000 Jahre alte und damit Europas vermutlich älteste Sonnenwarte aus Goseck bei Weißenfels für internationale Aufmerksamkeit, denn das weltbekannte Stonehenge in England ist "nur" 4.000 Jahre alt.

Leißling-Gosecker Wandertipps

Ein Weg klettert bergauf, bergab und über Stufen von Leißling über den Weißen Berg nach Weißenfels (5 Kilometer) oder über Vierberge und Franzosental nach Schönburg (4,5 Km) und weiter ohne Steigungen nach Naumburg (nochmals 5 km). Alternativen zu den "Bergstrecken" - insbesondere für Radfahrer - gibt es im Tal. Wanderern zwischen Weißenfels und Naumburg sei auch die Route am anderen Ufer über Lobitzsch-Eulau empfohlen.

Durch zwei Wälder, den Gosecker und die "Alte Göhle", führt der Wanderweg von Goseck nach Freyburg (11 km). Dazwischen liegen die Dörfer Dobichau und Pödelist. Von hier aus ist schon das Ziel, der "Dicke Wilhelm" der Neuenburg, zu sehen. In der anderen Richtung wandert man im Saaletal über Lobitzsch und Uichteritz nach Weißenfels (10 km).

Vom Gosecker Schloss kann man außerdem über den 178 Meter hohen Igelsberg nach Lobitzsch (3 km) laufen oder über Eulau zur Naumburger "Henne", einer alten Brauerei am Eingang zum Blütengrund, gelangen (7 km). Ein weiterer Weg zweigt von der Route nach Freyburg ab, dort wo sie den Gosecker Wald verlässt. Hier führt der Pfad nach Großjena im Unstruttal (5 km).

Reizvoll sind auch folgende Wege: Von Leißling am Flussufer entlang zur Öblitzschleuse mit Wehr (2,5 km) oder über die Fähre nach Lobitzsch bzw. nach Goseck (3 km). Vom Gosecker Schloss Spaziergänge durch den Forst, zum Beispiel am Waldsportplatz vorbei in den Silber- und Siedichgrund (5-6 km).

Fähre in Leißlin


Zwischen Weißenfels und Goseck notiert

Schweiz

Im über 1100-jährigen Markwerben gibt es eine "Schweiz". So nennt der Volksmund eine enge Schlucht im Geschützten Dorfpark. Der Spaziergänger erreicht die Hohle über das Lokal "Lindenhof". Oberhalb der Gemeinde steht ein Aussichtsturm, zu dem man auch von der B 176 aus gelangt. Er wurde von Gottfried Berger finanziert und 1881 gebaut.

Kirchenlied

"Jesus, großer Wunderstern" und "Jesus, nimmt die Sünde an" - diese beiden Choräle und noch viel mehr hat Erdmann Neumeister gedichtet. Der bekannte Kirchenliedtexter aus der Zeit um 1700 wurde in Uichteritz als Sohn eines Küsters geboren. Neumeister machte aber auch mit beißender Satire von sich reden. In so genannten Lobgedichten geißelte er beispielsweise fürstliche Titelsucht.

Kirche in Uichteritz


Altweiber

In Lobitzsch "dreht" sich aller paar Jahre die Altweibermühle. Bei diesem Volksfest mit Festumzug und geschmückten Häusern werden "alte Weiber" durchgemahlen, damit sie wieder jung sind. So verlangt es jedenfalls die Dorftradition.

Fledermäuse

Keller und Gruft des Gosecker Schlosses sowie eine nahe gelegene Höhle bieten Fledermäusen Unterschlupf. Das Winterquartier der vom Aussterben bedrohten Tiere wurde zum Naturdenkmal erklärt.

Schloss und Schlosskirche Goseck

Detail am Schloss Goseck

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