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Die Burg vor dem Schloss

An der Stelle, wo von 1660 bis 1694 das Schloss erbaut wurde, befand sich vorher eine Burg. Diese war aber 1632 und nochmals 1644 von den Schweden zerstört worden. Der erste Weißenfelser Herzog, August, regierte zunächst von Halle aus. Nach dem Abtragen der Ruinen der alten Weißenfelser Burg legte er 1660 den Grundstein für das Schloss, das seinen Namen tragen sollte. Um es aber nicht mit der Augustusburg im Erzgebirge zu verwechseln, bekam es den Namen Neu-Augustusburg. Errichtet wurde es von den Architekten Johann Moritz Richter (Vater und Sohn), die auch ähnliche Schlösser in Weimar und Gotha erbauten.


Groß - größer - am größten: Reiche Kultur, armes Land

Der monumentale Bau sollte alle Ansprüche einer Fürstenresidenz befriedigen. Die Gebäudeflügel in Form eines Hufeisens samt großem Innenhof beherbergten die Verwaltung des Herzogtums, die herzogliche Wohnung sowie zugehörige Wirtschaftsbetriebe. Damit erfüllte das Schloss politisch-administrative, persönliche und ökonomische Funktionen. Außerdem wurden im nördlichen Flügel eine Kirche und im südlichen Flügel ein Komödiensaal eingerichtet. In diesem Saal führte man beispielsweise Opern und Theaterstücke auf, Neu-Augustusburg entwickelte sich zu jener Zeit zu einer bedeutsamen Spielstätte der frühdeutschen Oper. Zugleich fanden rauschende Bälle statt, zu denen berühmte Herrscher ausländischer Königreiche und Fürstentümer eingeladen wurden. Das Schloss erfüllte also auch religiöse, kulturelle-künstlerische und repräsentative Funktionen. Es läst sich sogar ohne Übertreibung sagen, dass sich das Weißenfelser Schloss in den Jahren von 1694 bis 1746 zu einem kulturellen Mittelpunkt in deutschen Landen entwickelte.

Im beziehungsweise in der Nähe des Schlosses befanden sich weiterhin Marstall, Zeughaus und Turnierplatz - in diesen Einrichtungen drückten sich insbesondere militärische Funktionen aus. Alles in allem repräsentierte Schloss Neu-Augustusburg die Machtfülle eines auf seinem Territorium absolutistischen Herrschers, der zugleich die Künste im außerordentlichen Maße förderte. Fast das ganze Leben der Fürstenfamilie und ihrer Bedienstetenschar spielte sich im Schloss ab, alle Funktionen der aristokratischen Herrschaft wurden in ihm realisiert. Dies galt sogar nach dem Tod der jeweiligen Herrscher, sie wurden in der Gruft unter der Schlosskirche bestattet.


Nach dem Tod des letzten Herzogs Residenz ohne Residenten

Das gewaltige Schloss im kleinen Weißenfels ist zugleich Ausdruck der damaligen Kleinstaaterei: Die Landkarte Deutschlands war ein einziger Flickenteppich. Nach dem Aussterben der Weißenfelser Herzogslinie fiel die Notwendigkeit eines Residenzschlosses in der Saalestadt weg. Alle ursprünglichen Nutzungsfunktionen wurden nunmehr im fernen Dresden beziehungsweise ab 1815 im preußischen Berlin ausgeübt. Dies erklärt den Leerstand, die Zweckentfremdung und den teilweisen Verfall des Schlosses, der bald nach 1746 einsetzte und noch bis heute in großen Teilen andauert. Alle Verantwortlichen nach 1746 wussten nicht so recht, wie sie das für eine Kleinstadt wie Weißenfels deutlich überdimensionierte Gebäude nutzen sollten. Jede gesellschaftliche Epoche fand Nutzungen, die dem Erbe aber letztlich kaum angemessen waren. Lange Zeit diente das Schloss beispielsweise als Kaserne.

Das Museum, das sich seit einigen Jahrzehnten im Schloss befindet, stellt zweifellos eine sinnvolle Nutzung dar, deckt aber nur einen relativ kleinen Teil der gesamten Grundfläche ab. Alle Versuche in den 1990er-Jahren, das Schloss mit einem Gesamtkonzept einer neuen Nutzung zuzuführen, scheiterten bislang. Ursache dafür sind wohl die immensen Sanierungskosten, mit denen eine einzelne Kommune wie Weißenfels, aber auch manche Investoren überfordert sind. In den letzten Monaten begannen äußere Sanierungsarbeiten, um den Verfall wenigstens zu stoppen und das Wahrzeichen der Stadt Weißenfels auf lange Sicht erhalten zu können.

August, der erste Weißenfelser Herzog
(1656-1680)


Eingang zur Schlosskirche


Schlossterrasse


Blick vom Markt zum Schloss




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