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Der Herzog wollte mit der Mode gehen...

Als das Weißenfelser Schloss erbaut werden sollte, kam das Barock in deutschen Landen gerade erst in Mode. Deshalb entwarf der Baumeister Erhard Lindner die neue Herzogsresidenz noch im damals vorherrschenden Renaissancestil und in recht bescheidener Größe. Dieses Projekt wurde aber schnell verworfen, und der Herzog engagierte Johann Moritz Richter (geb. 1620 in Weimar, gest. 1667 in Jena). Letzterer konnte bereits auf Erfahrungen mit anderen Schlössern in Thüringen verweisen, die schon wesentliche Züge des aus Italien und Frankreich kommenden Barocks aufwiesen. Richter bzw. sein Sohn schufen in Weißenfels ihre wohl beste und monumentalste Leistung, die aber vielleicht am zutreffendsten als "frühbarock" zu charakterisieren ist.

Das Schloss weist von seinem Grundriss her schon eine massive Bauweise auf. Durch den kompakten, riesigen Baukörper sollte die Macht der Herzöge bzw. des Adels hervorgehoben werden (Verknüpfung mit der Funktion). Bereits die Grundstücksfläche des Bauwerks spricht für sich: Mit einer Fläche von 20.969 Quadratmetern ist es eines der größten Schlossbauten in Mitteldeutschland.


Richters schufen ihr Meisterstück

Die Baumeister Johann Moritz Richter (Vater und Sohn) erschufen - nach mehreren Versuchen in Weimar, Gotha und Zeitz - mit dem Weißenfelser Schloss ihr ausgewogenstes, überzeugendstes Bauwerk. Es zeichnet sich durch optimale Proportionen in der vertikalen und horizontalen Gliederung aus. Damit wurde ein neuer Kompositionsstil geprägt, der das Weißenfelser Schloss zu einem der bedeutendsten Schlossbauten des 17. Jahrhunderts in Deutschland machte.

Was einem sofort auffällt, wenn man (oder: Frau) um das Schloss geht, sind die zahlreichen Fenster an allen Seiten des Bauwerks. Das Licht hatte eine entscheidende Rolle in der Zeit des Barocks. Die Innenräume waren mit vielen kostbaren und vergoldeten Schmuckelementen, wie Ranken und Weinblättern, versehen. An den Decken prangten Stuckelemente. Diese prunkvollen Elemente wurden nun von starkem Lichteinfall regelrecht "umspielt" und hoben diese dabei noch ausdrucksstärker hervor. Ein weiterer Grund für die vielen Fenster besteht darin, dass die langen Räume optimal ausgeleuchtet wurden, da es ja zu dieser Zeit noch keinen elektrischen Strom gab. Zugleich nutzten die absolutistischen Herrscher bauliche Auffälligkeiten, wie beispielsweise die Vielzahl der Fenster, um ihren Machtanspruch als universell und selbstverständlich darzustellen. So wurde verbreitet, dass das Schloss so viele Fenster zählt wie das Jahr Tage, so viele Eingangstüren wie das Jahr Monate usw. Vielleicht stimmt es ja sogar - nachgezählt haben wir es aber nicht...

Ein weitere Auffälligkeit des Schlosses ist der große, überragende Westturm mit der Schlossuhr, Aussichtsterrasse und der großen Kuppel. Diese markanten Punkte fallen einem sofort ins Auge, wenn man von der Stadt zum Schloss hochblickt. Auch diese Auffälligkeit war natürlich beabsichtigt und hängt wieder mit der Macht- und Repräsentationsfunktion zusammen. In der Herzogszeit waren viele Stellen der heutigen Stadt Weißenfels noch nicht bebaut. Damals thronte das Schloss noch viel deutlicher als heute über der Stadt, in der die Untertanen wohnten. Neu-Augustusburg mit der markanten Kuppel konnte von überallher gesehen werden und signalisierte schon von weitem die Macht des Herzogs. Die Überdachung der Kuppel wurde übrigens im klassischen Kreuzrippengewölbestil gebaut, der in der Gotik eine entscheidende Rolle spielte.


Die Kirche im Schloss - sein schönster Teil

Abschließend ist noch die Schlosskapelle zu erwähnen. Sie hatte damals als Ort der Religionsausübung innerhalb des Schlosses eine herausragende Bedeutung. Denn die absolutistischen Herrscher, auch wenn sie nur kleine und kleinste Fürstentümer regierten, sahen ihre Macht als von Gott gegeben an. Ein bedeutendes Ausstattungsmerkmal der Schlosskirche ist die Orgel, welche 1673 durch den Orgelbauer Christian Förner fertig gestellt wurde. In demselben Zusammenhang muss auch der Kanzelaltar genannt werden, dessen Aufbau 1678 durch den Bildhauer Johann Friedrich Böhme begonnen und schließlich nach seinem Tode durch Johann Balthasar Stockhammer beendet wurde. Größe und Proportion des Kanzelaltars drücken seine Funktion aus: Er besteht aus einem Kruzifix, zwei Engeln, die den Schalldeckel tragen, und unterschiedlichem Zierrat. Die dekorativen Malereien in der Kirche wurden von 1682 bis 1686 durch Johann Oswald Harms angefertigt.

Alte Bauzeichnung des Westflügels


Innenansicht von der Schlosskirche


Schlosstor im Osten


Innenhof, Blick nach Osten


Seitenfassade des Schlosses




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