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Rund um das Schloss

Die Baulust der Herzöge erstreckte sich auch auf die Stadt Weißenfels. Sie ließen für ihren Hofstaat sowie für verschiedenste Verwaltungs- und Wirtschaftszwecke unterhalb des Schlosses, insbesondere in der Leipziger Straße oder in der Marienstraße, repräsentative Gebäude im barocken Stil errichten. So war es kein Wunder, dass auch der Neuaufbau des Rathauses 1718 bis 1722 noch im barocken Stil erfolgte. Schließlich war Weißenfels zu jener Zeit noch Residenzstadt. Das Bürgertum war in seinen ästhetischen Auffassungen noch nicht emanzipiert, und auch die kommunale Verwaltung stand unter Kuratel der Fürstenherrschaft. Trotz eines gemeinsamen Baustiles (wenn auch in der Fertigstellung zeitlich versetzt) zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Schloss und Rathaus.


Barock ist nicht gleich Barock

Die Größenunterschiede zwischen beiden Gebäuden sind Ausdruck damaliger Machtverhältnisse. Das viel kleinere Rathaus verweist aber zugleich auch in gewisser Weise auf die Sachlichkeit und Bescheidenheit des Bürgertums. Diese vor allem wirtschaftlich tätige Schicht entwickelte sich langsam, aber unaufhaltsam zur treibenden Kraft des Übergangs zur modernen, industriellen Gesellschaft. Auch die "Plätze" der Bauten sprechen für sich: Das Schloss oben auf dem Berg, separiert, für die meisten unerreichbar - das Rathaus mitten in der Stadt, am Markt, dem pulsierenden Mittelpunkt urbanen Lebens.

Am Markt kreuzen sich die Handels- und Verkehrswege, werden zu den Märkten Waren und Informationen ausgetauscht. Diese Lage am Puls der Gesellschaft bildete eine wichtige Grundlage für die sich herausbildende Überlegenheit der Bürgerschaft gegenüber der aristokratischen Herrschaft.


In Details offenbart sich das Wesen

Interessant sind auch Unterschiede in Details: Die Vielzahl der Uhren am Rathaus verweist auf die Bedeutung von Zeit für das Bürgertum, die Kaufleute, Handwerker etc. "Zeit ist Geld" wurde zum Motto der neuen, heraufdämmernden Epoche. Der Adel hingegen lebte weitgehend zeitlos, seine Macht schien in der Ewigkeit verwurzelt. Oder der Balkon über dem Rathausportal, dem Marktplatz zugewandt: Er ist Ausdruck einer stärker öffentlichkeits- und volksbezogenen Haltung der Ratsherren. Auch die Innenräume, beispielsweise der alte Ratssaal, sind doch schon stärker von Funktionalität geprägt, als von Repräsentationsbedürfnissen.

Auf dem Balkon des Rathauses befinden sich zwei Figuren, Justitia und Minerva: Sie symbolisieren Gerechtigkeit und Weisheit. Damit sind zwei wichtige Regeln bürgerschaftlichen Zusammenlebens benannt, die sich wesentlich vom Funktionieren aristokratischer Herrschaft unterscheiden. Eine Gemeinschaft freier Stadtbürger kann ihre Entscheidungen, wenn sie zum Wohle aller gereichen sollen, nur auf Vernunft und Achtung der Freiheit gründen.

Die ständige Nutzung des Rathauses hat dazu geführt, dass es bedeutend besser erhalten ist als Neu-Augustusburg. Dies gilt insbesondere auch für die Innenräume. Ist vom Interieur des Schlosses heute nur die Kirche erhalten, so finden sich im Rathaus noch viele Schmuckelemente: Säulen als Wandschmuck, Stuckdecken, kunstvolle Treppengeländer u. a.

Statue am Rathaus


Sitzungssaal, Fensterfront


Rathausflur


Rathausportal




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